SEHR lange habe ich keinen Blogeintrag mehr gemacht, aber die letzte Zeit, in der ich irgendwie immer beschaeftigt und/oder unterwegs war, ist fuer mich einfach so schnell vergangen, und ich habe nicht wirklich Zeit gefunden wieder einmal zu berichten.
Seit meinem letzten Eintrag ist wie gesagt viel Zeit vergangen und viel passiert. Ich war in der Zwischenzeit in den USA, wo ich meine Mama, meinen Bruder und meine Schwester wiedergesehen habe. Die 10 Tage in den USA, die wir sowohl in New York und Washington D.C. verbracht haben, waren einerseits sehr schoen, da ich meine Familie nach 8 Monaten endlich wiedergesehen habe, andererseits war es fuer mich der vollkommene Gegensatz zu meinem Gemeindeleben hier in Ecuador. Alles war gross, modern, sehr viele Hochhaeuser, viele bunte Lichter, zu jeder Uhrzeit Menschen auf den Strassen, abwechslungsreiches Essen,… Es war beeindruckend, aber beeindruckend fuer mich selber war, wie sehr ich mich an mein Leben hier und an die anderen Verhaeltnisse gewoehnt habe, so dass eigentlich alltaegliche Dinge wie z.B. warmes Wasser aus dem Wasserhahn, die ich aus Deutschland gewoehnt bin, einen WOW-Effekt bei mir hervorgerufen haben. Ich konnte Vienna, den Ort, den meine Schwester zur Zeit ihr zu Hause nennt. und ihre netten Gasteltern und die suessen Kinder, auf die sie aufpasst, kennenlernen.
Nach 10 schoenen und vorallem sonnigen Tagen hiess es dann wieder Abschied nehmen und zurueck von der Grossstadt in meine laendliche Gemeinde und die Schule, worauf ich mich aber auch gefreut habe, denn meine Kinder sind mir schon so ans Herz gewachsen, dass ich sie echt vermisst habe.
Mit Jette und Lisa bin ich (wieder mal) in Banos gewesen und wieder mal war es der pure Spass!
Diesmal sind wir Quad und Motorrad gefahren, aber das Beste war das Canyoning, bei dem wir 4 Wasserfaelle runtergeklettert sind. Obwohl wir alle 3 manchmal wirklich Angst hatten, weil man sich immer alleine abseilen musste und nie wusste, wo man hintritt, hat es richtig viel Spass gemacht und wir haben viel gelacht.
Zum ersten Mal seit dem ich in Ecuador bin, hat es mich auch erwischt und ich musste eine Woche, in der es wieder einen ziemlich heftigen Streik gab, bei dem die Indigenas die Panamericana blockiert haben und so natuerlich den ganzen Verkehr lahmgelegt haben, um die Privatisierung des Wassers zu verhindern, im Bett verbringen, um meine Hals- und Ohrenentzuendung auszukurieren. Mittlerweile bin ich wieder fit, und muss gluecklicherweise nicht mit Parasiten, Laeusen, oder sonstigen Tieren, unter denen viele andere Volontaere leiden, leben.
Ende Mai fand von Cielo Azul aus unser Abschlussessen mit den Mentoren statt, bei dem wir eine alte Tradition der Indigenas kennengelernt haben: Pacha Manga (Kichwa für „Erdtopf“). Wir kochten, wie die Vorfahren, in der Erde.
Kurz erklaere ich euch wie das Ritual ablaeuft: Zuerst braucht man ein großes aber nicht zu tiefes Loch und saubere große (weibliche) Steine und viel Feuerholz. Die Steine werden in das Feuerholz eingebaut und im Feuer erhitzt, bis das Feuer runter gebrannt ist. In der Zeit werden das Loch und das Essen vorbereitet. Dann werden die heißen Steine aus dem Feuer geholt und einige davon in das Loch geschmissen. Sie werden mit Blaettern abgedeckt und schliesslich kommen die Kartoffeln in den großen Erdtopf. Nächste Schicht Steine, Kohlblaetter und diesmal Maiskolben. Wieder Steine, Kohl und dann Bohnen,Erbsen, Kochbananen und ganz zum Schluss legen wir noch das in Kohlblätter eingewickelte Fleisch dazu und alles wird wieder mit reichlich Kohl zugedeckt. Unser Erdtopf wird mit einem grossen Tuch abgedeckt und auf das Tuch schuetten wir Erde, so dass nichts vom Dampf nach außen dringt. Darauf folgt der langweiligste Teil: 1½-2 Stunden warten.
Doch das Warten hat sich geloohnt, denn nachdem wir die Erde und das Tuch entfernt haben, schlägt uns ein wunderbarer Geruch entgegen. Immer Bedacht, keine Erde ins Loch zu treten, holen wir unser Essen heraus, gar nicht so einfach, denn alles ist kochend heiß. Ein Rest wird der Erde zum Dank liegen gelassen. Das Essen schmeckte, obwohl ganz ohne Gewürze, fantastisch und jetzt weiss ich auch, wie die Vorfahren gekocht haben, als sie auf der Flucht und ganz ohne Töpfe waren.
Mittlerweile ist auch schon die Zeit, in der meine Schwester und meine Mama mich hier in Ecuador besucht haben, vergangen. Mit ihnen war ich viel auf Reisen, habe ihnen mein derzeitiges Zuhause, meine Gastfamilie, meine Gemeinde Camuendo, die Schule und das Leben in Otavalo gezeigt. Leider konnten beide nur wenige Tage hier in Ecuador verbringen und trotzdem war die gemeinsame Zeit sehr schoen, und ich bin froh, dass sie einen realistischen Einblick in das Leben hier gewinnen konnten, denn ich glaube, nur aus den Erzaehlungen, ist es schwer, sich wirklich vorzustellen, wie das Leben hier verlaeuft.
In der Schule laeuft es sehr gut. Als letztes habe ich mit den Kindern aus dem Kindergarten und aus dem 4. Nivel Kisten, die ich anfertigen lassen habe und in denen jetzt die ganzen Spielsachen aufbewahrt werden, bemalt. Es hat ihnen super viel Spass gemacht, da es eine Abwechslung zum normalen Unterricht war und ich sie das habe malen lassen, was sie wollten. Es war fuer mich wieder einmal einerseits erstaunlich, wie viel Freude die Kinder am Malen haben, aber andrerseits verstaendlich, denn die Kinder haben zu Hause keine Blaetter und Farben, mit denen sie malen koennten.
Ausserdem wird mit Unterstuetzung von Cielo Azul ein Lesezimmer/ Bibliothek in meiner Schule eingerichtet. Ein unbenutztes Klassenzimmer haben wir dazu umfunktioniert und mit den Kindern aus dem 7. Nivel haben wir alles weiss gestrichen. Damit es auch schoen kinderfreundlich aussieht, habe ich diese Woche an zwei Tagen 2 große Kindermotive an die Waende gemalt. Die anderen Waende sollen gemeinsam mit den Kindern bemalt werden, aber ich glaube, dass ich es
nicht mehr schaffen werde, das Lesezimmer fertig einzurichten.
Da die meisten Kinder aus dem 7. Nivel, ab dem naechsten Schuljahr auf weiterfuehrende Schulen gehen werden, haben Lisa, Jette und ich einen gemeinsamen Ausflug zum Abschluss nach Quito geplant. Am kommenden Dienstag werden wir mit unseren jeweiligen Schuelern aus den 7. Nivel morgens frueh Richtung Quito aufbrechen und als erstes im Kino einen Film anschauen. Danach wird erst einmal Mittag gegessen und dann geht es weiter in die Innenstadt zur „Plaza de la Independencia“ und dem Praesidentenpalast und weiter am Nachmittag werden wir im Wassermuseum erwartet, welches sehr schoen sein soll und in dem die Kinder selbst viele Experimente ausprobieren koennen. Wir sind schon sehr gespannt, wie alles verlaufen wird, aber teilweise wissen wir jetzt schon, dass es ein Erfolg wird und wir den Kindern eine Freude bereiten, denn fuer viele wird es das erste Mal sein, dass sie nach Quito fahren, und fuer fast alle ist es das erste und vielleicht einzige Mal, dass sie ein richtiges Kino besuchen werden.
Traurigerweise naehert sich mein Jahr langsam dem Ende. Ich weiss, dass mir der Abschied sehr schwer fallen wird, besonders von der Schule bzw. den Kindern und meiner Gastfamilie, da sie mir sehr ans Herz gewachsen sind und ich fuer ein Jahr hier ein neues Zuhause gefunden habe, wo ich mich immer sehr wohlgefuehlt habe.
Mir bleiben noch 2 Monate in Ecuador, was lange klingt, aber fuer mich sehr schnell vergehen wird, denn am 25. Juni endet die Schule und somit auch die Zeit in meiner Gemeinde und Gastfamilie. Diese letzten 2 Wochen, die mir bleiben, werde ich ausgiebig geniessen und somit denke ich auch, dass dies mein letzter Blogeintrag sein wird, denn am 28. Juni werde ich mich mit Lisa, einer Freundin von Lisa, Jannik (mein ehemaliger Nachbar aus Heidelberg, Schulkamerad und guter Freund) und etwas spaeter kommt Jette noch nachgeflogen, auf unsere Suedamerikareise begeben. Ich freue mich schon sehr auf die 5 Wochen, in denen wir Peru, Bolivien, Paraguay, Brasilien und Argentinien bereisen und viele neue Eindruecke gewinnen und Dinge kennenlernen werden. Anfang August kehren wir zurueck nach Ecuador, verbringen eine weitere Woche hier und dann muessen wir endgueltig unsere Rueckreise nach Deutschland antreten.
Ich werde sicherlich kaum Zeit finden einen weiteren Blogeintrag zu schreiben, aber ich werde versuchen, wenn auch nur kurz, euch auf dem Laufenden zu halten, ueber die Ereignisse, die passieren und in welchem Land ich mich gerade befinde.
Ansonsten berichte ich einfach wenn ich wieder in Deutschland bin.





































































